Kloster St. Marienberg in Helmstedt

Geschichte St. Marienbergs

Unsere Geschichte beginnt im späten 12. Jahrhundert. 1176 oder 1181 gründete Abt Wolfram von Werden und Helmstedt ein Augustiner-Chorfrauenstift, das er auf einem Hügel westlich, außerhalb der Stadtmauern von Helmstedt errichten ließ. Es gehörte bis zur Reformation zur Diözese Halberstadt. Wolfram hatte das Stift zu seiner Grablege bestimmt und veranlasst, dass die Frauengemeinschaft das Gebetsgedenken (memoria) an ihn pflegte. Seine Schwester war Mitglied des ersten Konvents und möglicherweise dessen erste Priorin. Der Konvent, der nach strengen Regeln vergleichbar denen in Nonnenklöstern lebte, sollte nach einer Urkunde des 13. Jahrhunderts nicht mehr als 40 Mitglieder umfassen, dazu kamen vier Laienschwestern und eine unbestimmte Zahl Laienbrüder. An der Spitze des Konvents stand die Priorin gemeinsam mit einem Propst.

Im Laufe des Mittelalters wurde offenbar das strenge Klosterleben gelockert, so dass in St. Marienberg (wie in sämtlichen Augustinerchorherren- und –frauenstiften) im 15. Jahrhundert eine Klosterreform durchgeführt wurde (Windesheimer Reform). Missstände sollten beseitigt und das Leben gemäß der Ordensregel wieder hergestellt werden. Dies betraf vor allem das Verbot von Privatbesitz, die Einhaltung der Klausur und das Tragen einheitlicher Tracht. Zur geistlichen Unterweisung, gerade auch im Sinne der devotio moderna, sowie der Vertiefung der Lateinkenntnisse wurden zwei Konventualinnen und eine Konverse aus dem niederländischen Augustiner-Chorfrauenstift Brunnepe eingesetzt. Drei Jahre blieben sie in Helmstedt und agierten sehr erfolgreich.

Nach den Textilien zu urteilen, die in dieser Zeit entstanden, erlebte unser Kloster damals eine kulturelle Blüte.

Quelle: Fotoarchiv der SBK
Quelle: Fotoarchiv der SBK

Mit der Reformation, die, nach anfänglich starkem Widerstand der Stiftsdamen ,1568/69 endgültig eingeführt wurde, kam der große Umbruch. Die katholischen Messfeiern wurden abgeschafft und durch Gottesdienste im lutherischen Sinne ersetzt. Neuaufnahmen von Novizinnen wurden untersagt und einfache, schwarze Kleidung anstatt des alten Habits vorgeschrieben. Durch die Begrenzung auf nur noch 6 Konventualinnen und eine Domina (Priorin) entstand eine völlig neue Struktur. Die neuen Aufgaben, die Herzog Julius in seiner Kirchen- und Klosterordnung für Damenstifte in seinem Territorium vorsah, lagen schwerpunktmäßig auf der Vorbereitung der Frauen auf ihr Leben als Ehefrauen und Mütter – das Verlassen des Klosters war so vorgesehen. Von entscheidender Bedeutung war die Einziehung des Vermögens der reformierten Klöster durch die Herzoglich Braunschweigische Kammerdirektion der Domänen. Fortan wurde das Vermögen im Klosterfond verwaltet. Später kam, nach Auflösung der Universität Helmstedt, deren Vermögen hinzu und es entstand der sogenannte Vereinigter Braunschweigische Kloster- und Studienfond. Bis heute befindet sich das Kloster St. Marienberg daher im Eigentum der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz, als juristischem Nachfolger.

In der Barockzeit löste sich die vita communis, also das gemeinsame Gebet und gemeinsame Mahlzeiten, wie anderswo, auch bei uns in Helmstedt allmählich auf. Oftmals wohnten die Konventualinnen gar nicht mehr im Kloster. Mit einer Konventualinnenstelle verband sich weniger geistliches Leben als eine Möglichkeit der Existenzsicherung. In Folge der Säkularisation verfiel das Kloster zusehends. Die vier Damen, aus denen der Konvent nur noch bestand, vertrieben sich die Zeit, wie es hieß, in dem „verfallenen, unheimlich öden Kloster“ mit Kartenspielen.

Mit Domina (so heißen unsere Äbtissinnen seit dem 18. Jahrhundert) Charlotte von Veltheim (1832-1911) begann für den Konvent eine neue Glanzzeit. Seit 1848 stand sie ihm nominell vor. 1862 bezog sie, 30jährig, die Klostergebäude, als vierte Domina in Folge aus der von Veltheimschen Familie. 1754 schloß die Familie von Veltheim einen Tauschcontract mit Herzog Carl I. zu Braunschweig und Lüneburg und hat seither das Recht auf das Amt der Domina im Kloster St. Marienberg. Charlotte gelang es, tatkräftige Frauen in den Konvent zu berufen und das geistlich-religiöse Leben wieder in den Vordergrund zu rücken. Sie sorgte dafür, dass die maroden, verfallenen Gebäude instand gesetzt wurden und ließ, ganz vom Geist der Inneren Mission angetrieben, ein Krankenhaus errichten, außerdem drei Schulen und einen Kindergarten. Die erste und bedeutendste, bis heute nachwirkende Initiative aber war die Gründung des Niedersächsischen Paramentenvereins, (die heutige Paramentenwerkstatt der von Veltheim Stiftung beim Kloster St. Marienberg, Helmstedt) noch im Jahr ihres Einzugs 1862. Das Vorbild war der Paramentenverein der Diakonissenanstalt Neuendettelsau, zu der Charlotte enge persönliche Verbindungen unterhielt. Sie leistete Pionierarbeit in der evangelischen Paramentenarbeit, und trotz aller Schwierigkeiten der folgenden eineinhalb Jahrhunderte hat sich die kirchliche Textilkunst in unserem Kloster erhalten. Charlotte von Veltheims Konvent starb 1984 aus. 

Chronik

  • 1176/1181: Gründung des Klosters als Augustiner-Chorfrauenstift
  • 1462: Windesheimer Reform
  • 1568/69: endgültige Einführung der Reformation durch Herzog Julius von Braunschweig und Lüneburg
  • 1754: Ein Tauschkontrakt mit Herzog Carl I. von Braunschweig und Lüneburg sichert der Familie von Veltheim das ewige Recht am Amt der Domina im Kloster St. Marienberg
  • 1848: Domina Charlotte von Veltheim wird 16-jährig in ihr Amt im Kloster eingesetzt, wo sie jedoch erst 1862 ihre Residenz nimmt
  • 1863: Gründung des Niedersächsischen Paramentenvereins durch Domina Charlotte von Veltheim und Gräfin Anna von der Schulenburg
  • 1911: Tod Charlottes von Veltheim, Übernahme des Amtes der Domina durch ihre Schwester Louise von Veltheim
  • 1920-1933: Domina Clara von Veltheim, die die „Domina Charlotte und Louise von Veltheim-Stiftung“ zur Förderung der Paramentenwerkstatt gründet
  • 1979: Umbenennung in „von Veltheim-Stiftung beim Kloster St. Marienberg in Helmstedt“
  • seit 1989: Domina Mechtild von Veltheim